WELTERBEANTRAG ERFOLGREICH EINGEREICHT! 

09. Januar 2020

Hier finden Sie aktuelle Informationen des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung zur Antragseinreichung vom 09. Januar 2020. Die Pressemitteilung des LVR zur Einreichung des Antrages finden Sie hier.

DER NIEDERGERMANISCHE LIMES – DER RHEIN ALS GRENZE DES IMPERIUM ROMANUM

Die Grenze des Römischen Imperiums ist das größte lineare Denkmal in Europa. Einen wesentlichen Teil dieser Grenze bildete der als Niedergermanischer Limes bekannte Abschnitt entlang des Rheins zwischen der niederländischen Nordseeküste und der Einmündung des Vinxtbachs bei Bad Hönningen-Rheinbrohl im heutigen Rheinland-Pfalz. 

Entlang des antiken Flussufer reihten sich die Standorte des niedergermanischen Heeres (exercitus Germaniae inferioris) auf einer Länge von ca. 400 km einer Perlenkette gleich auf.Entlang des antiken Flussufer reihten sich die Standorte des niedergermanischen Heeres (exercitus Germaniae inferioris) auf einer Länge von ca. 400 km einer Perlenkette gleich auf. Der Rhein diente als Hauptstationierungsraum der Legionen mit den wichtigsten Legionslagern in Nijmegen, Xanten, Neuss und Bonn. Hier lag in Köln-Marienburg auch der zentrale Stützpunkt der Rheinflotte (classis Germanica), die bis in die Nordsee hinein operierte.

In der Colonia Claudia Ara Agrippinensium/ Köln residierte der kaiserliche Statthalter (legatus Augusti pro praetore) in seinem Palast (praetorium) als Oberbefehlshaber der gesamten niedergermanischen Armee, die immer wieder auch für Feldzüge in entfernte Reichsteile und darüber hinaus eingesetzt wurde. Wachtürme (turres bzw. burgi), Kleinkastelle und Hilfstruppenkastelle (castella) sicherten den Waren- und Personenverkehr entlang des Rheins und über die Grenze des Imperium Romanum hinaus.

 

 

Um den monumentalen Anspruch römischer Baukunst auch am Rhein umzusetzen, unterhielt das Militär auch Produktionsorte wie etwa Ziegeleien (figlinae) oder Kalkbrennereien. Bedeutende und vielfältige Zeugnisse des Niedergermanischen Limes sind an zahlreichen Orten erhalten und heute noch erfahrbar.

Der Niedergermanische Limes soll Teil der bestehenden internationalen UNESCO-Welterbestätte „Frontiers of the Roman Empire – Grenzen des Römischen Reiches“ werden. Der gemeinsam von den Niederlanden, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz erarbeitete und eingereichte Antrag auf Anerkennung als Welterbe liegt der UNESCO seit dem 9. Januar 2020 zur Begutachtung vor. Das Antragsverfahren ist damit offiziell eröffnet.

Im Rahmen Antrages werden 44 archäologische Fundplätze in den Niederlanden, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz vorgeschlagen, die nach dem Wunsch der beteiligten Projektpartner zukünftig als Niedergermanischer Limes Teil der bereits bestehenden UNESCO-Welterbestätte „Frontiers of the Roman Empire – Grenzen des Römischen Reiches“ werden sollen. Sie stellen eine repräsentative Auswahl der entlang des Rheins zahlreich bekannten archäologischen Zeugnisse der Römerzeit dar. Sie belegen den für eine Anerkennung als UNESCO-Welterbe erforderlichen „außergewöhnlichen, universellen Wert“ (Outstanding Universal Value [OUV]) dieses Teils der Grenzen des Römischen Reiches in mehrfacher Hinsicht (Kriterien [ii], [iii] und [iv]). In ihrer Gesamtheit illustrieren sie eindrucksvoll die Bandbreite der vom Niedergermanischen Limes bekannten Einrichtungen und Bauten, anhand derer sich Aufbau, Funktion und Entwicklung dieser für etwa 400 Jahre bestehenden Grenze erfassen lassen.

 

© M. Jakobs/MiQua. LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln.

© S. Bödecker. LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland.